Fünf Lacher je halbe Stunde, und die Leute lieben SieEin bißchen Chaos zulassen tut Managern gut / Lachen lernen auf dem Humor-Seminar / Sind Frauen im Beruf witziger als Männer? FRANKFURT, 6. Oktober. Humorvolle Persönlichkeiten wirken kompetent, selbstsicher und vor allem sympathisch. Das aber ist noch nicht zur Mehrheit der Manager durchgedrungen. Auf Führungsetagen wird Humorlosigkeit noch immer als Zeichen von Kompetenz gewertet. Die Beraterbranche, stets interessiert, neue Nischen zu besetzen, ist da inzwischen anderer Meinung. Sie lehrt auch Spaßbefreite das Lachen, um Arbeitsklima, Motivation und Produktivität zu verbessern. Hierbei werden gerne Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie zitiert, die längst nachgewiesen hat, warum Lachen tatsächlich eine gute Medizin ist und heitere Gelassenheit hilft, Streß in Schach zu halten. Sogar den schmerzstillenden Effekt des Lachens haben Gelotologen (Lachforscher) vorgeführt. Die beruhigende Gewißheit, eines Tages "darüber lachen zu können", immunisiert davor, sich von unangenehmen Situationen überwältigen zu lassen. Abstand zu halten, zu überlegen, "wenn es nicht mich beträfe, was könnte an der Situation komisch sein", läßt sich bewußt steuern. Auf einem eintägigen Seminar sollen Führungskräfte lernen, wie das funktioniert: "Führen & Präsentieren mit Humor", und wie das geht, "lachen, leiten, leisten, mit Humor mehr erreichen". Mitzubringen sind in das Frankfurter Hotel "eine richtig häßliche Krawatte", beziehungsweise ein Halstuch, ein Lieblingswitz und eine Präsentation, die die Teilnehmer gerne vortragen möchten. Bernd Heger hat seine Hausaufgaben gemacht und die scheußlichste Krawatte mitgebracht, die aus erkennbarem Grund in seinem Kleiderschrank verwaist. Dazu gehört ein Quentchen Mut, den der Kommunikationswirt auf dem labyrinthischen Weg vom Flughafenparkhaus in den Bauch des Sheraton-Hotels nicht aufgebracht hat: Das häßliche Teil, ein Albtraum in gelb-rosa Seidenmalerei, verbannte Heger in die Aktentasche, um zwischen den teuer gewandeten Geschäftsreisenden keine Lachnummer abzugeben. Alles halb so wild, klärt Trainer Eckart von Hirschhausen die zwölf Teilnehmer auf. Von Hirschhausen ist Arzt, Kabarettist, Fernsehmoderator und hat sich als Managementtrainer auf das Thema mentale Fitneß, Kreativität und Humor spezialisiert. Der eloquente Fünfunddreißigjährige, dem die Freude an seinen vielen Berufen anzumerken ist, nutzt seine Kenntnis unterschiedlicher Milieus und arbeitet mit Methoden der Gesundheitspsychologie, des Improvisationstheaters und der Provokativen Therapie. Als Medizinstudent in einer englischen Klinik habe er erprobt, "wie man sich bei Laune hält in einem humorfreien Raum". Er und seine Kommilitonen unterliefen subversiv die Kleiderordnung, indem sie an einem festen Tag in der Woche darum wetteiferten, wer unter dem Kittel die häßlichste Krawatte trug. Die stille, augenzwinkernde Freude beim Vergleich der Geschmacklosigkeiten sei gemeinschaftsbildend gewesen und habe spielerisch das Bonmot Oscar Wildes illustriert, "das Leben ist zu wichtig, um es ernst zu nehmen". Von Hirschhausen hat eine Reihe von kleinen Kniffen auf Lager, die zwar aus vergrübelten Bedenkenträgern keine lässigen Frohnaturen machen, aber durchaus anregen könnten, auch deren Alltag zu erleichtern. Dazu verhilft ein Blick in die Hand- oder Aktentasche, in der nach Meinung des Trainers ein emotional wertvoller Gegenstand der tägliche Begleiter sein sollte: ein hübsches Urlaubsfoto, ein herzlicher Brief, ein schriller Schlüsselanhänger, Dinge, deren Anblick positive Assoziationen wecken. Von Hirschhausen vertraut auf einen Fanartikel: die Krawatte eines Kabarettzuschauers, deren handgebatikte lila Häßlichkeit der Komiker während eines erfolgreichen Auftritts spontan verulkte, der Zuschauer lachte mit und schenkte von Hirschhausen den Binder. Ein physischer Beweis, um eine angenehme Situation zu erinnern, "man lächelt unwillkürlich". Ist das Konto überzogen, grassiert das Lampenfieber vor einem Referat, droht also die Welt unterzugehen, dann sei dieses "Ankern" positives Stimmungsmanagement. Von Hirschhausen hat inzwischen eine Schatztruhe solcher Gimmicks. Daß Humor als Führungselement kein leichtfüßiges Thema ist, das wurde den Teilnehmern in Übungen und bei Videoaufzeichnungen ihrer Präsentationsversuche klar. "Am Humor zu arbeiten, das kann Knochenarbeit sein. Einige Teilnehmer hier in Anzug und Schlips zeigen, wie ernst sie das nehmen", wundert sich Thiemo Gartz. Den Mitarbeiter der Abteilung "Entschädigung" der Unfallkasse Hessen interessiert vor allem die Sandwichtheorie, die lehrt, wie sich Witze und Anekdoten in Reden einbauen lassen. Und zwar unangestrengt, ohne daß eine vorgegebene Liste abgearbeitet wird. Das führt von Hirschhausen schon bei der Begrüßung vor: Willkommen heißt er die Runde mit solidarischem Glückwunsch, zum versteckt liegenden Seminarraum im weitverzweigten Hotel überhaupt vorgestoßen zu sein. Je nach Temperament schmunzeln oder lachen die Zuhörer befreit, aha, den anderen ist es auch so gegangen. Sofort ist ein Konsens hergestellt. Solche situationsbezogenen Anspielungen erkennen zu lernen und Pointen richtig aufzubauen, trainiert die Runde vor laufender Videokamera. "Dafür kann man ein Sensorium entwickeln." Eine der Aufgaben: Launig reflektieren über die Frage, warum reißen Schnürsenkel immer dann, wenn man's eilig hat. Woher weiß der Schnürsenkel das? Seminarteilnehmer Heger steigt tapfer in den Ring, verknüpft das Schnürsenkelschicksal dann aber launig mit einem leicht zotigen Witz, den Kolleginnen sicher nicht schenkelklopfend goutieren würden. Dies gehe nicht, bremst ihn der Trainer aus, damit begehe man den Tabubruch, eine Zuhörergruppe anzugreifen, "so schließt man sich aus". Die Kritik steckt Heger selbstironisch weg, "es ist nicht so, daß ich jetzt eine Liege brauche, um den Blutdruck zu heben". Der Achtunddreißigjährige gehört nicht zum Durchschnittserwachsenen, der lediglich 15 mal am Tag lacht , Kinder lachen übrigens 400 mal. Mit dieser Lässigkeit, lobt von Hirschhausen, sei Heger auf dem richtigen Weg. Im übrigen macht der so oft kritisch beäugte Bühnenkünstler den Teilnehmern Mut: "Sie haben in Ihrem Alltag den Vorteil, daß keiner besonders witzige Wendungen von Ihnen erwartet. Sie müssen nur besser sein als der Langweiligste. Fünf Lacher je halbe Stunde, und die Leute werden Sie dafür lieben." Heger wundert sich immer wieder, daß manche Leute so selten lachen. "Gerade beim Vorstand zeigt sich, wenn alle lachen, lachen die noch lange nicht." Sich selbst nicht so ernst zu nehmen, das schreibt der Mediziner den Führungskräften ins Notizbuch: "Manche bremsen ihren Humor mehr aus als notwendig. Wenn man im Beruf jemand anders ist, als man sein will, ist das ein hoher Preis, den man zahlt. Menschen, die ein bißchen Chaos und Unorthodoxes zulassen, sind kreativer, so kann Neues entstehen." Gerade bei Dienstleistern gehe es darum, eine Idee schneller zu sein als andere, um eine gute Kundenbindung zu erreichen. Von Hirschhausen zeigt Beispiele fürs Querdenken: das schräge Bach-Bild eines Künstlers, der unter ein Konterfei des Komponisten die "Fugendichtung Silicon" montiert. Für dieses Um-die-Ecke-Denken, den Perspektivwechsel, würden Unternehmensberater teuer bezahlt. Unbeschwertheit färbt auf Mitarbeiter ab. So könne es reichen, öfter mal einen neuen Cartoon an die Bürotür zu hängen, das liefere Gesprächsstoff. Der sich daraus entwickelnde Small talk oder die Plauderei in der Kaffeeküche würden in ihrem anregenden Informationswert gerade in abstrakten und unsinnlichen Arbeitsfeldern häufig unterschätzt. "Vernetzung in einer Firma verläuft immer mit großer Emotionalität. Das, was Mitarbeiter nicht digitalisiert haben, ist ein wichtiger Wert im Unternehmen." Dies in Köpfen von klassischen Finanzdienstleistern zu etablieren, die es schon für zu intim halten zu bekennen, daß sie Saxophon spielten, sei allerdings eine Herausforderung. Und es darf bezweifelt werden, ob solche Manager bereit wären, bei einer Bilanz-Pressekonferenz aus "Zahlen Funken zu schlagen, indem sie den Bezugsrahmen wechseln" und die Umsatzzahlen in Kalorien auszudrücken ("Wir haben angefangen mit einem Bounty, sind jetzt bei drei Kisten Pommes."). Haben Frauen einen anderen Humor? Teilnehmer Gartz ist davon überzeugt, daß sich viele Frauen "ihren Witz im Berufsleben besser erhalten haben als Männer, bei deren Rollenverhalten scheint Humor eher schädlich". Von Hirschhausen bestätigt, daß Frauen freiere Formen von Humor bevorzugten, "eher situatives Lästern". Oft seien sie keine guten Witzeerzähler. Ihnen fehle schlicht die Übung, da sie weniger den Impuls vieler Männer verspürten, durch einen Witz im Zentrum des Geschehens zu sein. Männer hingegen neigten zu aggressiverem Humor, machten mehr Witze über andere, die abwesend seien, und wetteiferten, wer den besten Witz erzähle. Im übrigen sei ein Witz nur eine sehr kleine Darstellungsform. Humor bezeuge eine Geisteshaltung und Weltsicht. "Da geht es um Authentizität. Entscheidend ist, was paßt zu mir, Humor läßt sich nicht vortäuschen", sagt der Referent. Beim Preis könnte einem allerdings das Lachen vergehen. Das Seminar kostet mehr als 1000 Euro. Von Ursula Kals
|
PROFIL
SEMINAR: HUMOR LERNEN
PRESSESTIMMEN
SEMINAR - TERMINE
DOWNLOAD
|